Von Damals bis Heute

Die jahrhundertelange Geschichte einer früheren mittelalterlichen Burg, einer Dorfkirche aus dem Jahr 1300, eines Klosters und seiner Nonnen, der Pest aber natürlich auch die Entwicklungen der Region während der Römerzeit und die Bedeutung des Flusses Kyll (ein keltischer Name, der über Jahrhunderte hinweg eine Grenze zwischen verschiedenen Ländern und Regionen bildete) – das alles auf zwei Seiten geschichtlichem Überblick zu berücksichtigen, ist sicher ein Ding der Unmöglichkeit. Trotzdem möchten wir uns hier an einer Kurzversion versuchen:

Wir haben als Ehepaar - mit gelegentlicher Hilfe unserer Kinder - einen ehemaligen Bauernhof aus dem Jahr 1854 vollständig renoviert. Und damit meinen wir wirklich alles: Nur die Außenmauern und eine ein Meter dicke Innenmauer sind erhalten geblieben. Alles andere wurde erneuert, modernisiert und dem heutigen Komfort angepasst – mit großem Respekt vor den ursprünglichen Erbauern. Allein die Glasveranda ist eine moderne Hinzufügung, die von uns selbst geplant und errichtet wurde. Beim Renovieren lernt man ein Haus wirklich kennen – wie es gebaut wurde und wie viel Kraft es gekostet haben muss, insbesondere die schweren Ecksteine in die Höhe zu bringen. Wir hatten den Luxus moderner Werkzeuge, Gerüste und eines Baukrans – Mitte des 19. Jahrhunderts war das so gewiss nicht der Fall.

Wir vermuten, dass das Haus mit Steinen der Burg gebaut wurde, die um 1280 von einem direkten Vorfahren des niederländischen Königs errichtet wurde. Und nein, das ist kein Scherz: Der König trägt viele Titel, darunter zwei bemerkenswerte: Baron von Cranendonck und Baron von Eindhoven. Diese Titel stammen von Johan von Rollingen, der im Jahre 1409 Anna, Gräfin von Daun-Densborn, heiratete. Eine Nachfahrin, Anastasia, heiratete Heinrich, den Sohn von Philipp und Johanna von Nassau-Dillenburg. Und da ist sie – die Verbindung zum Haus Nassau!

Die Geschichte von Densborn, das 893 erstmals nachweislich urkundlich erwähnt wird, reicht weit zurück, bis in die Zeit vor den Kelten und Römern. Die bereits erwähnte Burg von Densborn wurde 1820 leider teilweise abgerissen, da sie verfiel. Teile der Vorburg wurden zu einem Wohnhaus umgebaut. Wenn man auf dem kleinen Platz vor den Burgresten steht, kann man trotz allem die ursprüngliche Größe der Anlage erahnen. In Richtung der Bahnlinie ist auch noch ein gemauerter Kanal sichtbar – Teil eines alten "Fußbodenheizungssystems", das aus unterirdischen Kanälen bestand, die zu einer Feuerstelle führten, um die Räumlichkeiten der Burg zu beheizen. Zur selben Zeit wie die Burg wurde auch die Dorfkirche erbaut. Im 17. Jahrhundert fiel sie in großen Teilen einem Brand zum Opfer. Allein der Kirchturm und Teile des Chores überlebten. Das Kirchenschiff von 1677 wurde 1969/70 durch einen modernen Zeltdachbau ersetzt, der der im 20. Jahrhundert angewachsenen Gemeinde mehr Platz bot. Die Geschichte dieser Kirche ist faszinierend und veranschaulicht die Macht des Adels – auch darüber wird noch zu berichten sein.

Im Jahr 1864 begann der Bau der Bahnstrecke Köln-Trier, die bis heute entlang der Kyll führt. Sie brachte großen Wohlstand in die arme Region, die vorher nur schwer zugänglich war. Der Bau verzögerte sich anfangs, weil man dachte, ein schwer erreichbares Gebiet sei gewiss auch schwer zu erschließen. Während der Besetzung durch Napoleon und der Zeit der preußischen Rheinprovinz wurde das Straßennetz in Deutschland stark erweitert – in der Eifel war das kaum möglich. Das Gebiet wurde daher spöttisch auch "Sibirisches Preußen" genannt. Die Straßen waren steil, kurvig und schmal, mit grobem Steinuntergrund – fast unpassierbar für Pferde und Kutschen. Die hohen Transportkosten führten auch dazu, dass die Eisenindustrie ihre Aktivitäten in das Gebiet um Rhein und Ruhr verlagerte. 

Zwischen 1840 und 1871 verließen mehr als 60.000 Menschen die Eifel wegen schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse. Dennoch gelang es der Rheinischen Eisenbahngesellschaft aus Köln, ein Schienennetz durch die Eifel bis Trier aufzubauen. 1871 wurde der Bahnhof von Densborn eröffnet. Das führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung: Es entstanden Arbeitsplätze, Pendeln wurde möglich, und Touristen kamen. In Densborn florierten Geschäfte, Handwerksbetriebe und Pensionen. Die gute Luft machte den Ort zum Kurort.

Weil unser Haus höchstwahrscheinlich aus Mauersteinen der früheren Burg Densborn erbaut wurde, entschieden wir uns, es zu verfugen statt – wie sonst üblich in der Eifel – mit Kalkputz zu versehen. Bei der Hausübernahme 2011 war die Rückseite bereits vom Putz befreit (dank der Vorbesitzer!). Als wir die schönen Steine sahen, war uns schnell klar, dass wir sie sichtbar belassen wollen. 

Wir experimentierten dazu mit verschiedenen Mischverhältnissen von Kalk und Sand und testeten sogar schwarze Fugen. Unser Ziel war ein traditioneller Kalkmörtel aus lokalen Materialien. Nach mehreren Fehlversuchen hatten wir Glück: Wir lernten jemanden kennen, dessen 96-jähriger Vater das Handwerk noch von seinem Vater gelernt und es später an einer Berufsschule gelehrt hatte. Er gab uns genaue Anleitungen – dank ihm konnten wir im Herbst 2016 endlich mit dem Verfugen beginnen. Leider verstarb er im Winter 2016/2017, bevor er das Ergebnis sehen konnte. Wir sind ihm sehr dankbar.

Dass später auch andere Häuser im Ort und in der Umgebung verfugt und mit Glasveranden ausgestattet wurden, macht uns durchaus stolz. Wir haben gezeigt, dass ein altes Haus mit Respekt für seinen ursprünglichen Stil durchaus modernen Komfort bieten kann. Die gesamte Vorderseite des Hauses ist noch im Originalzustand, inklusive des alten Pflasters. Nur einige der Dachgauben wurden von uns ergänzt.

Unser Hof ist ein sogenanntes Quereinhaus, das typischerweise Wohnen und Arbeiten unter einem Dach versammelt. Er war ursprünglich auch als Denkmal gelistet. Obwohl alle Umbauplanungen genehmigt waren, wurde der Denkmalstatus einige Jahre später wieder aufgehoben – angeblich wegen der neu hinzugefügten Dachgauben, obwohl es bereits am Originalgebäude eine solche Gaube gab. Der frühere Stall wurde zu einem Gästehaus unter Einsatz vieler originaler Materialien umgebaut.

Da unser Haus aus dem Jahr 1854 stammt, haben wir unser Gästehaus „Lodge1854“ getauft – die Jahreszahl ist auch über der Eingangstür eingemeißelt. Dass das Gebäude einst von einer wohlhabenden Familie gebaut wurde, erkennt man an den hohen Decken, einem kleinen Zimmer im Dachgeschoss für das Personal und mit teurem blauen Farbpigment bemalten Wänden. Die Fenster wurden ursprünglich durch drehbare Espagnoletten mit Löwenkopf geöffnet – eine davon haben wir in der Glaswand unserer Gästeküche wieder eingebaut.

Bereits kurz nach dem Bau wurde der Hof verkauft, und die Familie wanderte nach Kanada aus – auch das relativ typisch für die Zeit und die Region. An einer Seite des Hofes stand ein Holzschuppen, möglicherweise eine Mühle, in der Bauern ihr Getreide mahlen ließen. Ob dieser ursprünglich zum Haus gehörte, ist unklar. Der schmale Pfad hinter dem Haus führte früher um das gesamte Grundstück herum über eine Bogenbrücke, die bis heute begehbar ist, zwischenzeitlich aber erneuert wurde

Seit Bestehen des Hauses gab es einen Garten. Viele Bewohner Densborns hatten keinen eigenen Garten und nutzten oft die fruchtbaren Überschwemmungsgebiete an der Kyll zum Anbau von Gemüse. Auch wir haben dort einen Gemüsegarten angelegt und - näher am Haus gelegen - einen Tee- und Kräutergarten für unsere Gäste. Frischer Kräutertee oder das Open-Air-Kochen in der Außenküche mitten im Kräutergarten – oder Pizza mit frischen Kräutern aus dem Holzofen – das ist einfach unschlagbar!

Wir kamen mit vielen Ideen nach Densborn und sind noch immer in der Umsetzung. Manchmal wir unsere Pläne auch angepasst – man sollte immer flexibel bleiben! Herausforderungen gehen wir deshalb nicht aus dem Weg – das zeigt all das, was wir schon erreicht haben. Wie bereits erwähnt, sind wir stolz, ein Vorbild zu sein. Architekten haben Fotos gemacht, wir wurden von einem Magazin porträtiert – aber die schönsten Komplimente kommen aus der direkten Umgebung: von Menschen, die das Haus vor und nach der Renovierung kannten. Unsere weiteren Erlebnisse – über die Renovierung und das Auswandern – werden wir in Zukunft noch teilen.